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20 Sep 2021

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Können Sie mir bitte korrigieren? Dankeschön!
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Faust sagt, dass:
"Zwei Seelen wohnen, ach! In meiner Brust,
Die eine will sich von der andern trennen:
Die eine hält in derber Libeslust
Sich an die Welt mit klammernden Organen;
Die andre hebt gewaltsam sich vom dust
Zu den Gefilden hoher Ahnen."

Mit diesen Worten meint Goethe, dass im modernen Menschen zwei gegensätzliche Kräfte am Werk sind: die eine tendiert zu weltlichen Vergnügungen, zu den Freuden des Lebens und damit zum Stillstand; die andere tendiert zur Aktivität, zur Arbeit, zur Suche nach den letzten Wahrheiten. Außerdem ist uns klar, dass eine dieser Kräfte die Oberhand über die andere gewinnen kann.

Interessant ist in diesem Zusammenhang Goethes Brief an Eckermann von 1829, in dem er sagt, dass sein Faust zusammen mit seinem Werther entstanden ist. Damit meint er, dass beide Helden einem gemeinsamen Übel entspringen, nämlich dem Hedonismus.

Der Hedonismus ist in der Tat die wahre Geißel der Moderne, das wahre Übel, das ihn dazu bringt, den Kontakt zu allen Werten zu verlieren und immer neue Dinge in immer größerer Menge zu begehren, was unweigerlich zu Sättigung, Langeweile und existenzieller Abscheu führt.

Werther ist in der Tat das perfekte Beispiel für einen Hedonisten, und wegen seiner unersättlichen Suche nach absoluter Liebe wird er zu Tode kommen. Goethe selbst, der Goethe der Leipziger Zeit, hätte dieses Ende erleiden können, wenn er sich nicht die Pflicht des Strebens auferlegt hätte. Auch Faust geht nicht unter, nur weil sein Hauptmerkmal sein Aktivismus ist, die ständige Unzufriedenheit mit seinem Streben.

Andererseits verstehen wir aber auch, dass Streben, dieser Wille zur Macht, den Verzicht auf das Vergnügen der Liebe bedeutet, das Vergnügen des Stillstands und der Ruhe. Das große Problem von Goethes Jugend ist in der Tat die Unmöglichkeit, seinen Titanismus mit Eros zu vereinbaren.

Ich möchte nun kurz erklären, wie Goethe zu einer Lösung des Problems kam.
Den ersten traumatischen Kontakt mit der Moderne hatte Goethe 1765 in Leipzig. Leipzig erschien ihm damals als eine Stadt ohne Geschichte und Werte, die sich der französischen Mode und Bürokratie anpassen wollte...........

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